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Existenzgründung planen – Leitfaden und Tipps

Aktualisiert am 25. September 2019
Das Wichtigste in Kürze


● Eine Existenzgründung zu planen, ist ein umfassender und längerfristiger Prozess
● Optimal ist es für angehende Unternehmer, sich professionelle Unterstützung zu holen, um ihre Existenzgründung zu planen
● Der Planungsprozess beginnt bereits in der Orientierungsphase, also im Vorfeld der Gründung
● Auch nach dem Beginn der Geschäftstätigkeit sind häufig Planungsanpassungen nötig

Die nächsten Schritte:


● Geschäftsidee und Geschäftsmodell entwickeln
● Businessplan erstellen
● Gründungsformalitäten erledigen – bei einer Unternehmensgründung gehören dazu beispielsweise die Wahl der Rechtsform, die Klärung der Finanzierung und die Anmeldung beim Gewerbe- und Finanzamt

Die Existenzgründung langfristig und in mehreren Schritten planen

Im Jahr 2018 haben sich knapp 550.000 Menschen in Deutschland für eine Existenzgründung entschieden. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Viele Existenzgründer möchten Geschäftsideen verwirklichen, die sie bereits über einen längeren Zeitraum entwickelt haben. Andere entscheiden sich für die Selbstständigkeit, weil sie dringend eine berufliche Perspektive brauchen. In jedem Fall ist für eine erfolgreiche Gründung eine umfassende Planung wichtig. Eine Existenzgründung zu planen, erfordert verschiedene Schritte – von der Orientierungsphase über die Entwicklung des Geschäftsmodells bis zur Geschäftseröffnung.

Die Orientierungsphase

In der Orientierungsphase geht es darum, Chancen und Risiken für eine erfolgreiche Gründung zu erkennen und die persönliche Eignung für die Selbstständigkeit zu hinterfragen. Welche fachliche und persönlichen Voraussetzungen bringen angehende Gewerbetreibende und Freiberufler für die Unternehmensgründung mit? Wie stellen sie sich die Anforderungen und den Wettbewerb in der von ihnen anvisierten Branche vor? Verfügen sie über betriebswirtschaftliches Grundwissen? Kennen sie sich mit den rechtlichen und steuerlichen Voraussetzungen einer Unternehmensgründung aus?

Die sorgfältige Planung steht am Anfang einer jeden Existenzgründung: Gründer vor Planungsunterlagen
Die sorgfältige Planung ist die Basis einer jeden Existenzgründung –
© Foto Startup Stock Photos auf pexels.com

Diese und andere Fragen sollten Gründer im Vorfeld der ersten praktischen Schritte zum eigenen Unternehmen klären. Um sie zu beantworten und ihre Existenzgründung zu planen, können sie verschiedene Hilfestellungen in Anspruch nehmen. Professionelle Beratung oder ein Gründungscoaching helfen, Schwachstellen des eigenen Projektes frühzeitig zu erkennen und Lösungen zu finden. Existenzgründungsseminare, die unter anderem Industrie- und Handelskammern anbieten, decken alle wesentlichen Aktivitäten ab, denen sich künftige Unternehmer im Prozess der Gründung stellen müssen.

Hinweis
Für eine erfolgreiche Existenzgründung spielt neben fachlichen Qualifikationen die persönliche Einstellung des Gründers eine maßgebliche Rolle. Wichtige Eigenschaften angehender Unternehmer sind Selbstbewusstsein, Kreativität, Verantwortungsbewusstsein, verkäuferisches Talent, Selbstorganisation, Belastbarkeit, Durchhaltevermögen und Begeisterungsfähigkeit für das eigene Projekt.

Die passende Geschäftsidee finden

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gründung sind eine zündende Geschäftsidee und ein Geschäftsmodell, das für diese Idee auch in der Praxis funktioniert. Im Hinblick auf die Entwicklung von Geschäftsideen unterscheiden Experten zwischen angebots- und nachfrageorientierten Strategien. Viele angehende Unternehmer stellen bei der Entwicklung ihrer Geschäftsidee die eigenen Angebote in den Fokus. Problematisch dabei ist, dass sie bei einem solchen Vorgehen die Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen erst erzeugen müssen. Dies kann umfangreiche Marketingaktivitäten erfordern. Optimal sind Geschäftsideen, die sich an vorhandenen Kundenbedürfnissen orientieren und Probleme der Kunden lösen. Weitere Tipps um die richtige Geschäftsidee zu finden.

Wer eine Existenzgründung plant, muss bedenken, dass sich die ursprüngliche Idee während des Gründungsprozesses wahrscheinlich mehrmals ändern wird. Je nachdem, in welchem Bereich sich Gründer selbstständig machen, bietet es sich an, potenzielle Kunden von Anfang an in die Entwicklung der Idee und später auch des konkreten Geschäftsmodells einzubinden. Dazu dienen beispielsweise Marktanalysen und Kundenbefragungen. Noch besser ist, wenn das eigene Angebot bereits in einem frühen Entwicklungsstadium auf den Markt kommt und das Kundenfeedback in seine weitere Entwicklung einfließt.

Natürlich müssen Gründer beim Aufstellen der eignen Geschäftsidee auch die eigenen Möglichkeiten und Grenzen reflektieren. Eine besondere Rolle spielen die Gründungskosten und damit die Finanzierung des Projektes. Als ein Beispiel: Ein reines E-Commerce-Projekt erfordert andere Ressourcen als Unternehmensgründungen, für die Produktionsräume, ein Ladengeschäft oder der Aufbau einer Offline-Vertriebsstruktur nötig sind.

Hinweis
Tragfähig werden Geschäftsideen erst, wenn sie sich auch in ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell übertragen lassen. Den Ausschlag geben einerseits die Anforderungen und Bedürfnisse potenzieller Kunden, andererseits die Notwendigkeit, sich von den Geschäftsmodellen der Wettbewerber abzuheben und damit einen spezifischen Kundennutzen zu generieren.

Die Wahl der Unternehmensform

Eine optimale Rechtsform für jede Unternehmensgründung gibt es nicht. Allerdings hat die Wahl einer bestimmten Unternehmensform rechtliche, persönliche, finanzielle und steuerliche Konsequenzen. Mögliche Rechtsformen für die Gründung sind:

  • Einzelunternehmen
  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
  • Offene Handelsgesellschaft (OHG)
  • Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
  • Aktiengesellschaft
  • GmbH & Co. KG

Kriterien für die Wahl der Rechtsform bestehen beispielsweise darin, wie viele Personen ein Unternehmen gründen, ob ein Eintrag ins Handelsregister erfolgen soll bzw. aufgrund der Art der Geschäftstätigkeit erfolgen muss oder welche Risiken mit einem Projekt verbunden sind. Außerdem geht es darum, ob der Unternehmer eine Haftungsbeschränkung wünscht, und wie viel Kapital für die Gründung zur Verfügung steht. Viele Gründer starten als Einzelunternehmer oder entscheiden sich für eine haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft, da die Gründungskosten dabei besonders niedrig sind. Das Gleiche gilt für die GbR, die für eine Gemeinschaftsgründung infrage kommt. Weitere Informationen zur Wahl der passenden Rechtsform finden Sie hier.

Die Existenzgründung planen – mit einem professionellen Businessplan

Um ihre Existenzgründung zu planen, benötigen angehende Unternehmer früher oder später einen Businessplan. Er dient der Selbstreflexion und Überprüfung der Machbarkeit des eigenen Projekts. Ebenso wichtig ist eine fundierte und professionell erstellte Businessplanung, um Investoren von der Tragfähigkeit der Gründung zu überzeugen und Zugang zu Krediten oder öffentlichen Fördermitteln zu erhalten.

In einen umfassenden Businessplan gehören die folgenden Punkte:

  • Zusammenfassung/Executive Summary
  • Beschreibung des persönlichen Profils der Gründer
  • Beschreibung der Geschäftsidee und des darauf aufbauenden Geschäftsmodells
  • Markt- und Wettbewerbsanalyse
  • Zielgruppe und Alleinstellungsmerkmale
  • Marketing und Vertrieb
  • Unternehmensorganisation
  • SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken – Englisch: Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threads)
  • Finanzierung: vorhandene Eigenmittel, erforderliches Fremdkapital, Liste aller Gründungskosten, prognostizierte Umsatz- und Gewinnentwicklung für die ersten drei Jahre der Unternehmenstätigkeit

Hinweis
Bei der Erstellung des Businessplans helfen Online-Vorlagen oder Business-Software. Im Hinblick auf die Finanzierungsplanung und die Geschäftsprognose ist es oft sinnvoll, frühzeitig Experten einzubinden. Vor der Vorlage des Plans bei Banken, Investoren oder öffentlichen Institutionen sollte ein Experte diesen auf jeden Fall überprüfen.

An der Frage des richtigen Zeitpunkts für den Businessplan scheiden sich die Geister. Eine häufige Empfehlung lautet, diese Planung so früh wie möglich zu erstellen und den gesamten Gründungsprozess daran auszurichten. Erfahrene Gründer halten dagegen, dass ein Businessplan erst sinnvoll ist, wenn die Geschäftsidee sich bereits im Kern als tragfähig und praktisch umsetzbar erwiesen hat.

Erledigung der Formalitäten in die Planung der Existenzgründung mit einbeziehen

Vor dem Start der Geschäftstätigkeit stehen neben der Wahl der Rechtsform und dem Erstellen eines Businessplans weitere Formalitäten an. Hierzu gehören die Anmeldung des Unternehmens beim Gewerbeamt und beim Finanzamt sowie die Anmeldung eventuell bereits vorhandener Mitarbeiter beim Arbeitsamt. Freiberufler sind von der gesetzlich vorgeschriebenen Gewerbeanmeldung ausgenommen, für sie reicht eine formlose Anmeldung beim Finanzamt. Je nach Unternehmensform und Geschäftstätigkeit sind weitere Registrierungen erforderlich – diese betreffen beispielsweise den Eintrag ins Handelsregister sowie im Fall von Anwälten, Ärzten oder Steuerberatern die Anmeldung bei der jeweiligen Standeskammer. Für Gewerbetreibende und Handwerker ist die Mitgliedschaft in einer Industrie- und Handelskammer bzw. in der örtlichen Handwerkskammer Pflicht. Das Gewerbeamt leitet die entsprechenden Unterlagen nach der Gewerbeanmeldung automatisch an diese Kammern weiter. Weitere Informationen zur Unternehmensanmeldung und Eintragung im Handelsregister finden sich hier.

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