1. Home
  2. Rechtsformen
  3. Gesellschaftsformen für die Unternehmensgründung in der Übersicht

Gesellschaftsformen für die Unternehmensgründung in der Übersicht

Aktualisiert am 31. Mai 2019
Das Wichtigste in Kürze

● Wer sich alleine selbstständig macht, wird in der Regel als Einzelunternehmen auftreten
● Es besteht aber auch die Möglichkeit, gleich mit einer Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft zu beginnen

Zu berücksichtigende Faktoren für die Wahl der Rechtsform

● Haftung
● Kapitalbeschaffung
● Steuerliche Belastung
● Flexibilität der Geschäftsverhältnisse
● Leitung des Unternehmens
● Mitbestimmung innerhalb des Unternehmens

Einzelgründungen

Die Form des Einzelunternehmens ist die einfachste und häufigste Wahl unter den Gesellschaftsformen für eine Unternehmensgründung. Abhängig von der Branche genügt hierbei eine einfache Gewerbeanmeldung, die Beantragung einer Steuernummer oder ein Eintrag ins Handelsregister.

Hinweis

Einzelunternehmer haften ohne Einschränkungen sowohl mit ihrem Geschäfts- als auch mit ihrem Privatvermögen

Sollte die Kaufmannseigenschaft im Sinne des Handelsgesetzbuches (HGB) erfüllt sein, besteht die Pflicht zu einer ordnungsgemäßen Buchführung sowie zur Erstellung einer Bilanz. Ansonsten ist der Status des Einzelunternehmers der eines Kleingewerbebetreibenden. In diesem Fall entfällt die Buchführungspflicht, und es reicht eine einfache Einnahme-Überschuss-Rechnung. Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit, eine Ein-Personen-GmbH, -UG oder -AG zu gründen. Im Gegensatz zu den üblichen Unternehmungen dieser Art gelten hier vereinfachte Bestimmungen, die aber für jeden Einzelfall zu bestimmen und zu prüfen sind.

Gemeinschaftliche Gründungen mit mehreren Personen

Gründen zwei oder mehr Personen eine Firma, kann zwischen einer Kapitalgesellschaft und einer Personengesellschaft gewählt werden. Den wesentlichen Unterschied bei diesen beiden Gesellschaftsformen für die Unternehmensgründung macht die Haftungsfrage. Bei Personengesellschaften haften die Eigentümer persönlich, bei Kapitalgesellschaften mit dem Vermögen des Unternehmens, das als juritische Person gilt. Folgende Rechtsformen sind möglich:

GmbH

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung reduziert – wie der Name schon sagt – die Haftung auf das Geschäftsvermögen. Für die Gründung ist ein Startkapital in Höhe von 25.000 Euro erforderlich, das in Geld- und/oder Sachwerten eingebracht werden kann. Die Gesellschafter müssen einen schriftlichen Vertrag abschließen und diesen von einem Notar beglaubigen lassen, damit der Eintrag ins Handelsregister erfolgen kann. Gesellschaften mit beschränkter Haftung sind verpflichtet eine Eröffnungsbilanz zu erstellen und die Vorgaben der gesetzlichen Buchführung inklusive Jahresbilanz zu erfüllen. Außerdem müssen sie Gewerbe- und Körperschaftssteuern abführen.

UG (haftungsbeschränkt)

Diese Unternehmergesellschaft ist eine Alternative zu normalen GmbHs und empfiehlt sich, wenn nur beschränkt gehaftet werden soll und lediglich ein niedriges Startkapital eingebracht werden kann. Letzteres beträgt nämlich nur 1 Euro. Trotzdem sollte natürlich für einen realistischen Start in eine selbstständige Existenz mehr Kapital vorhanden sein. Der Nachteil bei dieser Form ist, dass 25 % der jährlichen Gewinne zurückgelegt werden müssen, und zwar so lange, bis das Startkapital einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (25.000 Euro) erreicht ist. UGs dieser Art sind zur gesetzlichen Buchführung sowie zur Abführung von Körperschafts- und Gewerbesteuern verpflichtet.

AG

Bei einer Aktiengesellschaft ist die Haftung ebenfalls auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Als Startkapital müssen mindestens 50.000 Euro eingebracht werden. Diese rechtliche Form unterscheidet sich von den anderen Gesellschaftsformen für eine Unternehmensgründung dadurch, dass die einzelnen Anteile in Aktien gesplittet werden. Auf diese Weise können sich auch Gesellschafter mit geringen Beträgen beteiligen.

In der Regel wählen nur größere und große Unternehmen diese Form. Sie profitieren häufig von einer positiven Wirkung nach außen, da hinter einer Aktiengesellschaft meist ein hoher Kapitalbestand vermutet wird. Für das Betreiben einer Aktiengesellschaft sind drei Organe verbindlich: der Vorstand als Leitung des Unternehmens, der Aufsichtsrat als Kontrollorgan des Vorstands sowie die jährliche Hauptversammlung (HV) aller Aktionäre bzw. deren Vertreter. In dieser werden grundsätzliche Entscheidungen getroffen. Beispielsweise kann die HV eine Entlastung des Vorstands verhindern und/oder ihm sein Misstrauen aussprechen.

Personengesellschaften

Eine Personengesellschaft entsteht, wenn sich mindestens zwei gleichberechtigte Unternehmer zusammenschließen. Zu den häufigsten Personengesellschaften zählen die GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts), die Kommanditgesellschaft (KG) und die GmbH & Co. KG

GbR

Die Gesellschaft des bürgerlichen Rechts ist unter den Gesellschaftsformen für eine Unternehmensgründung eine einfache Möglichkeit, wenn zwei oder mehr Personen als Freiberufler oder Kleinunternehmer eine selbstständige Existenz starten möchten. Bei der Gründung der GbR  ist kein Mindestkapital vorgeschrieben, so dass eine schnelle und einfache Gründung möglich wird.

Hinweis

Bei einer GbR haften alle Partner bzw. Gesellschafter mit ihrem gesamten Privatvermögen, daher ist der Abschluss einer Haftpflichtversicherung für Unternehmen dringend anzuraten

Das Bürgerliche Gesetzbuch verlangt zudem den Abschluss eines Gesellschaftsvertrages. Dieser kann relativ formlos und sogar mündlich erfolgen, es empfiehlt sich aber trotzdem, die Einzelheiten der Zusammenarbeit, der Gewinnausschüttung usw. schriftlich zu fixieren. Auf diese Weise können eventuelle spätere Streitigkeiten eindeutig geklärt werden. Kleinunternehmer in einer GbR müssen Gewerbesteuer abführen. Freiberufler können statt einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts auch eine Partnergesellschaft (PartG) oder eine Partnergesellschaft mit beschränkter Haftung (PartGmbH) gründen. Die Bestimmungen sind ähnlich gehalten, beinhalten aber die Ausnahme, dass bei dieser rechtlichen Form die Möglichkeit der Haftungsbeschränkung besteht. Der Vorteil dabei: Macht ein Partner einen Fehler, der rechtliche oder finanzielle Folgen hat, müssen der oder die anderen Partner nicht dafür geradestehen.

KG und GmbH & Co. KG

Diese Gesellschaftsformen für die Unternehmensgründung sind von Vorteil, wenn mehr Startkapital nötig ist. Der Geschäftsführer wird als Komplementär bezeichnet. Er trifft sämtliche Entscheidungen alleine und haftet unbeschränkt mit seinem Privatvermögen. Die Gesellschafter oder Kommanditisten fungieren lediglich als Geldgeber und sind von einer Haftung befreit. Diese rechtliche Form wird häufig von Familienunternehmen genutzt. Der Senior tritt als Komplementär auf, seine Kinder sind an der Firma beteiligt, indem sie Geld beisteuern, ohne haften zu müssen. Soll die Haftung des Komplementärs ebenfalls beschränkt werden, kann eine GmbH & Co. KG gewählt werden. Dazu muss der Komplementär zunächst eine normale GmbH mit einem Startkapital von 25.000 Euro gründen, bevor die Kommanditisten mit ihren finanziellen Beiträgen einsteigen können.

Übersicht der Rechtsformen von Unternehmen und der damit verbundenen Rechte und Pflichten

Einzel
unter-
nehmen
GbRUGGmbHAG
Personengesellschaft
Kapitalgesellschaft
Gründung als Einzelperson möglich
Gründung im Team möglich
Anmeldung beim zuständigen
Gewerbeamt (Gewerbeanmeldung)
Anmeldung beim Finanzamt
Mitglied bei Industrie- und
Handelskammer bzw.
Handwerkskammer
Eintragung im Handelsregister
Notarbesuch notwendig
Fantasie-Unternehmensname
möglich
Persönliche Haftung der Gründer /
des Gründers
Gründung ohne Mindestkapital
möglich
Buchführung nach EÜR –
Einnahmen-Überschuss-Rechnung
Bilanzierungspflicht
Einkommensteuerpflichtig
Gewerbesteuerpflicht
Anrechnung eines Freibetrags für
Gewerbesteuer möglich
Körperschaftssteuerpflicht
Pflicht zur Offenlegung des
Jahresabschlusses
Kleinunternehmerregelung möglich
Teile diesen Beitrag

War dieser Artikel hilfreich?

Ähnliche Artikel