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Das Unternehmen anmelden – Die wichtigsten Schritte der Gewerbeanmeldung in der Übersicht

Aktualisiert am 31. Mai 2019
Das Wichtigste in Kürze

● Wer in Deutschland ein Gewerbe betreiben will, muss dies beim Gewerbeamt anmelden
● Für Freiberufler und einige spezifische Branchen gibt es Ausnahmen
● Die Gewerbeanmeldung erfordert eine bestimmte Zahl von Schritten, die sowohl für ein Haupt- wie ein Nebengewerbe gleich sind
● In vielen Städten lassen sich Gewerbeanmeldungen bereits schnell und bequem online vornehmen

So gehen Sie vor

● Prüfen Sie ob das gewünschte Gewerbe anmeldepflichtig ist.
● Besorgen Sie sich das Anmeldeformular vom örtlichen Gewerbeamt
● Suchen Sie vor Antragstellung alle erforderlichen Unterlagen zusammen
● Kalkulieren Sie weitere Kosten z.B. für den Handelsregistereintrag mit ein

Wann muss eine Gewerbeanmeldung erfolgen?

In Deutschland herrscht grundsätzlich Gewerbefreiheit, es sei denn, das Gewerbe verstößt gegen geltende Gesetze wie etwa die Hehlerei, also der Verkauf von gestohlenen Gütern.

§14 der Gewerbeordnung schreibt vor, dass jede selbstständige Tätigkeit angemeldet werden muss, sei sie hauptberuflich oder nebenberuflich geplant. Dies gilt auch bei der Übernahme eines bereits bestehenden Unternehmens. Von Relevanz ist lediglich, dass der Gewerbetreibende auf eigene Rechnung und Verantwortung handelt und eindeutig auf eine Gewinnerzielung hin arbeitet.

Die Höhe der Gewinne spielt dabei keine Rolle. Das Mindestalter für Gewerbeanmeldungen beträgt normalerweise 18 Jahre. Minderjährige Jugendliche, die das 14. Lebensjahr vollendet haben, dürfen mit Erlaubnis ihrer Eltern oder Erziehungsberechtigten und des Vormundschaftsgerichts ebenfalls ein Gewerbe anmelden und betreiben.

Wann ist keine Gewerbeanmeldung nötig?

Einen Gewerbeschein benötigt nicht, wer eine heilende, rechtsberatende, lehrende oder wissenschaftliche Tätigkeit ausführt. Diese gelten als freie Berufe und als so genannte höhere Dienstleistungen. Sie fallen nicht unter die Gewerbeordnung. Beispiele sind Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten, Planungsingenieure, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, Heilpraktiker und Krankenpfleger, Künstler und Musiker.

Manchmal ist die Abgrenzung zwischen Freiberuflichkeit und Gewerbe schwierig. Die letzte Entscheidung über die Einstufung trifft das jeweils zuständige Finanzamt. Von der Pflicht zu einer Gewerbeanmeldung ebenfalls befreit sind Tätigkeiten in der Urproduktion. Damit sind Branchen wie die Land- und Forstwirtschaft, der Garten- und Weinbau, die Fischerei sowie das Bergbauwesen gemeint.

Wie funktioniert die Gewerbeanmeldung?

Die Durchführung der Gewerbeordnung ist in Deutschland Aufgabe der Bundesländer. Deshalb unterscheiden sich die Regelungen für die zuständigen Behörden und die erforderlichen Formulare von Land zu Land. Im Prinzip kann man sich aber an den folgenden Schritten orientieren.

Antragsformular besorgen und ausfüllen

Das vollständig auszufüllende Antragsformular gibt es im Gewerbeamt, bei der Handwerks- oder Industrie- und Handelskammer. In vielen Städten und Gemeinden kann es mittlerweile auch aus dem Internet beim Bürgerservice heruntergeladen werden.

Tätigkeitsfeld auswählen

Das Tätigkeitsfeld des Gewerbes muss im Antrag beschrieben werden. Hier sollte man detailliert angeben, worum es geht, etwa um Groß- oder Einzelhandel für Lebensmittel, Dienstleistungen im IT-Bereich oder bestimmte handwerkliche Arbeiten.

Weitere Formulare und Unterlagen vorlegen

Als weitere Formulare und Unterlagen sind ein gültiger Personalausweis oder Reisepass sowie eine Meldebescheinigung vorzulegen. Ist das Unternehmen im Handelsregister eingetragen, wird bei Geschäftsführern, Vorständen und Prokuristen der notariell beglaubigte Gesellschaftervertrag und der entsprechende Registerauszug gefordert. Ausländische Staatsangehörige benötigen zudem eine gültige Aufenthaltsbescheinigung und eine Erlaubnis zur selbstständigen Tätigkeit der Ausländerbehörde.

Zusätzliche Formulare für bestimmte Berufsgruppen besorgen

Bestimmte Berufsgruppen haben weitere Formulare einzureichen. Bei Handwerkern ist dies die Handwerkskarte oder die Gewerbekarte für handwerksähnliche Firmen, bei Maklern die Maklererlaubnis. Angehende Gastwirte brauchen eine Betriebserlaubnis für die Gastronomie. Manche Bundesländer verlangen besondere Zulassungen für die Versicherungsberatung und -vermittlung, für den Betrieb von Spielhallen, für Bewachungs- und Sicherheitsunternehmen oder Pfandleihen. Hier sollte man sich vorab bei der zuständigen Behörde informieren. Ein polizeiliches Führungszeugnis muss vorgelegt werden, wenn das Gewerbe „überwachungsbedürftig“ ist. Dazu zählen Detekteien und Gebrauchtwagenhandel, Reisebüros und Partnervermittlungen.

Gewerbeanmeldung online vornehmen

In vielen Städten und Gemeinden ist die Anmeldung eines neuen Gewerbes bereits im Onlineverfahren möglich. Wie auch beim Besuch des örtlichen Gewerbeamtes bzw. bei der schriftlichen Beantragung der Gewerbeanmeldung sind auch für den Onlineweg unternehmensspezifische Unterlagen für den Abschluss des Prozesses vorzulegen bzw. hochzuladen. Bevor das Verfahren gestartet wird, empfiehlt es sich, dass alle benötigten Dokumente vorab in gescannter Form z.B. als PDF vorliegen.

Online-Gewerbeanmeldung nach Bundesländern:

Wie hoch sind die Kosten für einen Gewerbeschein?

Die Gebühren für den Gewerbeantrag sind Sache der einzelnen Kommunen und variieren bei der Mehrzahl etwa zwischen 20 Euro und 40 Euro. In manchen Gemeinden ist die Anmeldung sogar kostenlos. Es können aber für die Ausstellung anderer Bescheinigungen und Formulare weitere Gebühren entstehen.

Steuerliche Erfassung

Bei der Gewerbeanmeldung wird in der Regel direkt ein Formular zur steuerlichen Erfassung ausgehändigt. Hier kann unter anderem festgelegt werden, ob für den Betrieb die Kleinunternehmerregelung (Verzicht auf Umsatzsteuer bei einem Jahresumsatz von weniger als 17.500 Euro) greifen soll oder ob eine Buchführungspflicht vorliegt. Andere zuständige Behörden melden sich meist nach kurzer Zeit per Post zu den Pflichten und Rechten des neuen Gewerbetreibenden.

Hinweis

Gewerbe mit einem Umsatz von unter 17.500 Euro pro Jahr sollten die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Die Berechnung der Umsatzsteuer und Buchhaltungspflichten entfallen in diesem Fall.

Vorgaben für juristische Personen und Personengesellschaften

Im Grundsatz verläuft die Gewerbeanmeldung für jede Unternehmensform auf gleiche Weise ab. Allerdings müssen bei Personengesellschaften wie GbR, KG und OHG alle Gesellschafter eine Anmeldung vornehmen. Bei juristischen Personen, also einer AG oder GmbH, ist einer der gesetzlichen Vertreter bzw. der Geschäftsführer in die Pflicht genommen.

Hinweis

Bei Personengesellschaften wie GbR, KG und OHG müssen alle Gesellschafter eine Anmeldung vornehmen.

Welche weiteren Schritte werden durch die Anmeldung eingeleitet?

Ist die Anmeldung des Gewerbes vollzogen, werden automatisch weitere Behörden über diesen Schritt informiert. Je nach Art, Zweck und Größe des Unternehmens können dies sein:

  1. das Finanzamt für die steuerliche Erfassung
  2. die Industrie- und Handelskammer für eine IHK-Mitgliedschaft
  3. die Handwerkskammer
  4. die Bundesagentur für Arbeit
  5. die gesetzliche Unfallversicherung zur Weitergabe an die zuständige Berufsgenossenschaft
  6. die Landesbehörde für den Immissionsschutz
  7. die Landesbehörde für technischen und sozialen Arbeitsschutz
  8. das Registergericht
  9. das Eichamt
  10. die Zollverwaltung
  11. statistische Landesämter zwecks Führung von Statistikregistern

Was muss bei Änderungen des Gewerbes beachtet werden?

Der bereits erwähnte § 14 der Gewerbeordnung schreibt nicht nur die Anmeldung vor, sondern regelt auch das Vorgehen bei Änderungen. Eine Registrierung und Anzeige muss erfolgen, wenn der Betrieb an einen anderen Ort verlegt wird, „der Gegenstand des Gewerbes gewechselt“ oder auf Leistungen und Waren ausgedehnt wird, die zuvor nicht angemeldet waren. Auch eine Aufgabe des Betriebes ist anzuzeigen.

Hinweis

Vergessen Sie nicht das Gewerbeamt zu informieren, sollten sich wesentliche Änderungen im Bezug auf ihr Unternehmen ergeben.

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