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Alles Wichtige rund um die Gewerbesteuer

Aktualisiert am 28. August 2019
Das Wichtigste in Kürze


● Die Gewerbesteuer entrichtet ein Unternehmer im Voraus. Der Gesamtbetrag wird auf vier Zahlungen im Jahr aufgeteilt
● Die Gewerbesteuer ist für jedes Unternehmen verpflichtend
● Einzelunternehmer und Personengesellschaften sind bei der Gewerbesteuerberechnung im Vorteil, denn sie genießen einen Freibetrag von 24.500 Euro
● Die Gewerbesteuerhöhe richtet sich nach dem Hebesatz. Diesen setzen die Gemeinden autonom fest
● Die Gewerbesteuerzahlung kann ein Unternehmer bei der jährlichen Einkommensteuererklärung geltend machen

Wichtige Hinweise


● Das Finanzamt berechnet die Gewerbesteuervorauszahlung nach Schätzung oder auf der Grundlage der vorjährigen Gewerbesteuererklärung. Es ist unabdingbar, Rücklagen für die dreimonatige Zahlung zu bilden
● Achtung: Gemeinden und Städte setzen die Hebesätze autonom fest. Die unterschiedlichen Steuersätze in der Übersicht: (https://www.statistikportal.de/de/veroeffentlichungen/hebesaetze-der-realsteuern-deutschland)
● Bei der Gründung bedenken: Wer mit seinem Gewerbebetrieb als Einzelunternehmer oder Personengesellschaft firmiert, kommt in den Genuss des Freibetrags von 24.500 Euro
● Nicht vergessen: Die entrichtete Gewerbesteuer kann bis zu einer definierten Obergrenze von der Einkommensteuer abgezogen werden

Wozu gibt es eine Gewerbesteuer, und wer muss sie zahlen?

Die Städte und Gemeinden stellen Gewerbetreibenden ihren Grund und Boden sowie eine funktionierende Infrastruktur zur Verfügung. Im Gegenzug ziehen sie von den Gewerbetreibenden eine Gewerbesteuer ein. Diese Steuer dient den Gemeinden als wichtigste Einnahmequelle. Ihre Berechnung basiert auf der objektiven Ertragskraft des Gewerbebetriebs. Jeder Unternehmer und Selbstständige, der ein Gewerbe betreibt, unterliegt der Gewerbesteuerpflicht. Das gilt sowohl für Einzelunternehmer als auch für Personen- und Kapitalgesellschaften. Ausgenommen von der Steuerzahlung sind alle Freiberufler – dazu zählen beispielsweise Ärzte, Anwälte, Steuerberater, Architekten und Unternehmen aus der Land- und Forstwirtschaft.

Welche Unternehmensformen sind bei der Gewerbesteuerzahlung im Vorteil?

Die Gewerbesteuer berechnen die Finanzämter. Dabei berücksichtigen sie einen jährlichen Freibetrag von 24.500 Euro. Diesen können jedoch nur Einzelunternehmern und Personengesellschaften in Anspruch nehmen. Kapitalgesellschaften steht er nicht zu. Manche Gewerbetreibende meinen, sie müssten den gesamten Gewerbeertrag versteuern, wenn dieser die Freibetragsgrenze von 24.500 Euro überschreitet. Das stimmt jedoch nicht. In jedem Fall zieht das Finanzamt den Freibetrag vom steuerlich relevanten Jahresertrag ab. Ein Beispiel: Wer Einkünfte von 36.000 Euro im Jahr erzielt hat, versteuert 11.500 Euro (36.000 Euro minus 24.500 Euro).

Wie errechnen sich Gewerbeertrag und Gewerbesteuermessbetrag?

Als Basis der Gewerbesteuerberechnung gilt der Ertrag. Das Finanzamt ermittelt ihn durch die Einnahmenüberschussrechnung. Es addiert zum Unternehmensgewinn 25 Prozent der Finanzierungsentgelte (Mieten, Pachten, Schuldzinsen und Leasingraten). Das klingt bedrohlich, ist es aber nicht, denn hinzugerechnet wird erst, wenn ein Freibetrag von 100.000 Euro überschritten ist. Im zweiten Schritt ziehen die Finanzfachkräfte einen Teil der Betriebsimmobilien-Einheitswerte und eventuell die Vorjahrsverluste vom Gewinn ab. Die gute Nachricht: Für diese Abzüge gibt es keine Freigrenze. So errechnet das Finanzamt den steuerrelevanten Gewerbeertrag. Das Ergebnis rundet es auf 100 Euro ab. Das ist die Ausgangsbasis für die Gewerbesteuerberechnung.

Hinweis
Der Gewerbeertrag wird anschließend mit der Gewerbesteuermesszahl multipliziert, dem Faktor 3,5 – dieser gilt bundesweit. Aus dieser Multiplikation ergibt sich der Gewerbesteuermessbetrag, auf den dann der jeweilige Hebesatz der gemeinde angewendet wird.

Was hat es mit den Hebesätzen auf sich? Warum sind diese unterschiedlich?

Die Hebesätze für die Gewerbesteuer legen die Gemeinden und Städte autonom fest. Darum weist dieser Wert starke Schwankungen zwischen 200 und 500 Prozent auf. In Einzelfällen lag er sogar schon bei 900 Prozent. Bundesweit steht der Hebesatz durchschnittlich bei knapp 360 Prozent. Es gilt: Je höher der Hebesatz, desto höher die Gewerbesteuer. Dennoch sollte die Standortwahl nicht allein die Hebesatzhöhe zum Kriterium nehmen. Im Allgemeinen bildet diese Höhe die Attraktivität des Standorts ab – ein wichtiger Einflussfaktor für den Unternehmensgewinn. Hebesätze wirken als Multiplikator für den Gewerbesteuermessbetrag. Liegt dieser Betrag beispielsweise bei 2.000 Euro, muss der Unternehmer mit einem Hebesatz von 400 Prozent das Vierfache an Gewerbesteuer zahlen, also 8.000 Euro.

Beispielberechnung für die Gewerbesteuer

Bis hierher wurden viele steuerrechtliche Begriffe genannt. Diese lassen sich am besten sortieren, indem sie beispielhaft mit Zahlen gefüllt werden. Gehen wir von einem Einzelunternehmer aus, der 60.000 Euro Gewerbeertrag in einer Gemeinde mit einem Gewerbesteuerhebesatz von 400 Prozent erzielt:

Gewerbesteuer Beispielrechnung
Ertrag60.000 EUR
abzüglich Freibetrag24.500 EUR
= versteuerbarer Ertrag35.500 EUR
mal prozentuale Gewerbesteuermesszahl
= 3,5 Prozent = Gewerbesteuermessbetrag
1.242,50 EUR
mal Hebesatz 400 Prozent = Gewerbesteuer4.970 EUR

Für Gewerbesteuererklärungen gelten Abgabefristen bis Juli des Folgejahrs. Für das Geschäftsjahr 2019 muss also bis spätestens Juli 2020 eine entsprechende Erklärung vorliegen. Gewerbesteuern gehen grundsätzlich als Vorauszahlung an die Stadt/Gemeinde. Die Basis dieser Vorauszahlung bildet bei Unternehmensgründung eine Schätzung seitens der Finanzämter. Wurde der Selbstständige/das Unternehmen bereits zur Gewerbesteuer veranlagt, orientieren sich die Vorauszahlungen an den Zahlen des Vorjahrs. Die Gesamtzahlung wird auf vier Zahlungstermine gesplittet: 15.2., 15.5., 15.8. und 15.11 des jeweiligen Jahres.

Gibt es Entlastungen bei der Gewerbesteuer?

Über die Zahlung und die Höhe von Gewerbesteuern lässt sich mit Finanzämtern nicht diskutieren. Darum ist es für jeden Selbstständigen und Unternehmer überlebensnotwendig, Rücklagen für die Zahlung dieser Steuer zu bilden. Eine Entlastung erfahren Gewerbetreibende bei der Einkommensteuerberechnung. Zwar können sie Gewerbesteuern nicht als Betriebsausgabe abziehen; aber eine Anrechnung auf die Einkommensteuer ist bis zu einer Obergrenze des 3,8-fachen vom Gewerbesteuermessbetrag möglich. Für die Beispielberechnung gilt dann:

  • Gewerbesteuermessbetrag: 1.242,50 EUR
  • mal Anrechnungsfaktor 3,8: 4.721,50 EUR

In diesem Fall zahlt der Gewerbetreibende also 4.721,50 EUR weniger Einkommensteuer. Zieht man diesen Betrag von seiner 4.970 EUR hohen Gewerbesteuer ab, hat der Unternehmer de facto 248,50 EUR an den Staat gezahlt.

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