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Die Vor- und Nachteile bei Gründung eines Kleingewerbes – Tipps zu Steuern, Rechte und Pflichten

Aktualisiert am 7. Juni 2019
Das Wichtigste in Kürze

● Vor dem Start in eine Selbstständigkeit als Kleingewerbetreibender stehen die Entscheidung zur Art der Unternehmung und zu deren Rechtsform
● Bei der Rechtsformwahl sind Kleingewerbetreibende auf die Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) und das Einzelunternehmen beschränkt
● Die Definition als Kleingewerbe hängt auch von weiteren Faktoren wie der Anzahl der beschäftigten Personen, des Betriebskapitals und der Kredithöhe ab

Die nächsten Schritte

● Steht die Entscheidung für das Kleingewerbe, ist vor Aufnahme der Geschäftstätigkeit das Kleingewerbe beim zuständigen Gewerbeamt anzumelden
● Weiterhin sind verschiedene sozialversicherungsrechtliche und steuerliche Anmeldungen vorzunehmen

Ein Kleingewerbe gründen – Vorteile nutzen, Nachteile kennen

Das Kleingewerbe ist häufig der erste Schritt in eine selbstständige Existenz. Obwohl Kleingewerbetreibende keine Kaufleute im Sinne des Handelsgesetzbuches (HGB) sind, erwarten auch den Kleingewerbetreibenden verschiedene rechtliche Pflichten, steuerliche Vorschriften und Fristen. Auch das Kleingewerbe ist ein gewerbliches Unternehmen und der Kleingewerbetreibende ein Unternehmer.

Begriffe wie Rechnungsstellung, Rechtsform, Umsatz und Gewinn sind auch für Nichtkaufleute relevant. Das Kleingewerbe hat verschiedene Vorteile, aber auch einige Nachteile, die man kennen sollte, wenn man ein Kleingewerbe gründen möchte. Ein Kleingewerbe gründen – das kann vorteilhaft sein, wenn man sich zunächst in der Selbstständigkeit ausprobieren will. Der werdende Unternehmer ist dabei auber auf diese Rechtsformwahl beschränkt und muss auch mit gewissen Einschränkungen bei einer möglichen Expansion des Geschäftsbetriebes leben.

Auf Dauer gesehen kann deshalb der Übergang in ein kaufmännisch ausgerichteten Betrieb sinnvoll sein, wenn das Unternehmen später wachsen soll. Auch der Kleingewerbetreibende muss bei der Gründung einige grundlegende Entscheidungen treffen, zum Beispiel zur umsatzsteuerrechtlichen Kleinunternehmerregelung sowie zu möglichen freiwilligen Versicherungen in der Sozialversicherung.

Wer ist Kleingewerbetreibender?

Der Kleingewerbetreibende ist Nichtkaufmann. Sein Unternehmen erfordert im Umkehrschluss aus § 1 Handelsgesetzbuch(HGB) nach Art und Umfang keinen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb. Das unterscheidet ihn vom Kaufmann im Sinne des Handelsgesetzbuches. Die Bewertung, ob ein Unternehmen einen kaufmännischen Geschäftsbetrieberfordert, richtet sich in der Regel an verschiedenen Faktoren aus. Dabei wird jeder individuelle Fall einzeln beurteilt. Unter anderem sind ausschlaggebend:

  1. Die Höhe des Betriebsvermögens, diese liegt im Kleingewerbe unter 
    100.000 EUR.
  2. Mögliche Kredite sollten unter 50.000 EUR liegen.
  3. Die Anzahl der Mitarbeiter bewegt sich im Kleingewerbe unter fünf Personen.
  4. Bei der Anzahl der möglichen Standorte gibt es eine Beschränkung auf eine Filiale oder eine Niederlassung.

Weitere Faktoren können für die Unterscheidung zwischen Kaufmann und Nichtkaufmann eine Rolle spielen. Beispielsweise bewegt sich der Umsatz für Produktion unter 300.000 EUR, für Großhandel unter 300.000 EUR, für Einzelhandel unter 52.000 EUR und im Dienstleistungsbereich bewegt man sich unter 172.000 EUR Umsatz pro Jahr.

Im Gastronomie- und Hotelgewerbe bewegen sich die Zahlen Gastronomie Einrichtungen bei einem Umsatz unter jährlich 300.000 EUR und im Hotelgewerbe unter 250.000 EUR.

Wer mit seinem Betrieb unter den genannten Werten bleibt, betreibt mit einiger Sicherheit rechtlich gesehen ein Kleingewerbe, wenn auch die anderen Voraussetzungen gegeben sind.

Kommt es bei der Entscheidung für eine selbständige Tätigkeit auf die Kleingewerbeeigenschaft an, sollten die genannten Grenzen im Auge behalten und die Planung darauf ausgerichtet werden.

Das Kleingewerbe und die Steuer

In Steuersachen und Buchführungsangelegenheiten genießen Kleingewerbetreibende einige Privilegien. Diese haben viele Gründer im Blick, wenn Sie ein Kleingewerbe gründen. Beispielsweise sind sie von der Buchführungspflicht befreit. Sie dürfen eine simple Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR) beim Finanzamt einreichen. Mit dieser Einnahme-Überschuss-Rechnung werden betrieblich veranlasste Einnahmen ebensolchen Ausgaben gegenübergestellt. Daraus ergibt sich der zu versteuernde Gewinn. Die EÜR ist über einer standardisierten Anlage gleichen Namens mit der Steuererklärung beim Finanzamt einzureichen.

Kleingewerbetreibende können Kleinunternehmer im Sinne des Umsatzsteuerrechts sein, müssen es aber nicht. Die Begriffe Kleingewerbetreibender und Kleinunternehmer im Sinne des Umsatzsteuerrechts sind nicht deckungsgleich.

Kleinunternehmer im Sinne des Umsatzsteuerrechtes ist, wer im Gründungsjahr einen Umsatz von 17.500 EUR nicht überschreitet und im laufenden Jahr unter 50.000 EUR bleibt.

Die Kleinunternehmerregelung ist eine Wahlregelung. Wer innerhalb der Umsatzgrenzen bleibt, kann nach Wahl auf die Erhebung und Abführung von Umsatzsteuer verzichten. Das kann gerade im Gründungsjahr und auch kurz danach eine große Arbeitserleichterung sein. Andererseits besteht hier der Nachteil, dass vom Kleingewerbetreibenden gezahlte Umsatzsteuerbeträge ebenfalls nicht als Vorsteuer geltend gemacht werden können.

Mit der Entscheidung für oder gegen die Anwendung der Kleinunternehmerregelung wird eine wichtige Weiche gestellt, wenn es um steuerliche Rechte und Pflichten des kleinen Gewerbetreibenden geht. Die Anwendung der Kleinunternehmerregelung befreit von der Brutto-Netto Unterscheidung bei der Rechnungsstellung und kann günstige Preisgestaltungen gegenüber Privatkunden erlauben.

Auch Kleingewerbetreibende unterliegen der Gewerbesteuer, wenn es sich um ein gewerbliches Unternehmen handelt. Dabei profitiert das Kleingewerbe von einem Steuerfreibetrag bis 24.500 EUR. Erst wenn der Ertrag diesen Wert überschreitet, muss auf den Mehrbetrag Gewerbesteuer abgeführt werden. Dabei ist die Höhe der Gewerbesteuer vom Standort abhängig. Die Entscheidung für einen bestimmten Standort kann somit für die Höhe der Gewerbe Steuer interessant sein.

Rechnungsstellung

Ein Kleingewerbe gründen und sich mit den Anforderungen an Eingangs- und Ausgangsrechnungen nicht auszukennen, kann rechtliche Probleme mit sich bringen.

Insbesondere im Hinblick auf die Umsatzsteuer sind ganz bestimmte Formalien bei der Rechnungsstellung zu beachten. Wer als Kleingewerbetreibender umsatzsteuerpflichtig ist, sollte in seinen Rechnungen folgende Angaben erfassen:

  • Namen und Anschrift des Unternehmens sowie des Leistungsempfängers
  • die Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer
  • das Ausstellungsdatum der Rechnung
  • eine fortlaufende Rechnungsnummer
  • eine entsprechende Beschreibung von gelieferten Gegenständen oder der Art der Leistung
  • den Zeitpunkt von Lieferung oder Leistung
  • wenn anwendbar, nach Steuersätzen und möglichen Befreiungen aufgeschlüsselte Entgelte
  • wenn anwendbar, im Voraus vereinbarte Minderungen beim Entgelt
  • den Steuersatz sowie das Entgelt einschließlich darauf entfallender Steuerbeträge oder einen Hinweis auf eine Steuerbefreiung
  • bei Abrechnung von Gutschriften den Begriff Gutschrift 

Von diesen Formalien in gewissem Ausmaß ausgenommen ist die sogenannte Kleinbetragsrechnung, die einen Betrag von 250 EUR brutto nicht überschreitet. Kleinbetragsrechnungen müssen nur den vollständigen Namen und die vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers, das Ausstellungsdatum, die Anzahl und die Art gelieferten Gegenständen oder die Art der Leistung, das Entgelt sowie den Steuerbetrag für die erbrachte Leistung, den Steuersatz und gegebenenfalls einen Hinweis auf eine Steuerbefreiung enthalten.

Von den Vereinfachungen für Kleinbetragsrechnungen ausgenommen sind der Versandhandel, innergemeinschaftliche Lieferungen und bestimmte weitere steuerliche Sonderfälle.

Kleinunternehmer im Sinne des Umsatzsteuerrechtes machen auf ihren Rechnungen keine Angaben zu den Steuersätzen. Dabei wird auch empfohlen, auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung gesondert hinzuweisen.

Die Kleinunternehmer-Angabe in der Rechnung nicht vergessen:

Als Kleinunternehmer im Sinne von § 19 Abs. 1 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet.

Ein Kleingewerbe anmelden

Die Anmeldung des Kleingewerbes ist auf einem Formular vorzunehmen. Dieses halten die örtlichen Gewerbeämter vor, und man kann es sich auch bereits zu Hause online herunterladen. Bei der Anmeldung muss der Personalausweis oder Reisepass vorgelegt werden. Wer ein Kleingewerbe in einer Branche betreibt, für das besondere Genehmigungen oder Zulassungen notwendig sind, muss diese ebenfalls bei der Anmeldung vorlegen.

In der Regel stellt das Gewerbeamt bei Vorliegen der Voraussetzungen unverzüglich den Kleingewerbeschein aus. Weiterhin leitet es entsprechende Informationen zu der Gewerbeanmeldung an andere Einrichtungen weiter. 

So erfahren jetzt auch das Finanzamt sowie die örtliche Industrie- und Handelskammer (IHK) von der Anmeldung eines Kleingewerbes.

Der Kleingewerbetreibende muss sich allerdings von selbst innerhalb einer Woche bei der zuständigen Berufsgenossenschaft melden. Werden im Kleingewerbe von Anfang Mitarbeiter beschäftigt, muss nach der Gewerbeanmeldung bei der Agentur für Arbeit eine Betriebsnummer beantragt werden. Die Mitarbeiter sind bei der Krankenkasse zu melden.

Was gilt bei der Sozialversicherung?

In vielen Fällen ist das Kleingewerbe von der Sozialversicherungspflicht befreit. An diesem Grundsatz gibt es Ausnahmen. Wer überwiegend für einen Auftraggeber tätig ist oder einer rentenversicherungspflichtigen Berufsgruppe angehört, unterliegt zumindest teilweise der Sozialversicherungspflicht.

Ständige Berührung mit der Sozialversicherung haben außerdem Kleingewerbetreibende, die selbst Mitarbeiter beschäftigen. 

Jeder Kleingewerbetreibende sollte entsprechende Entscheidungen zu der Frage treffen, ob er sich in den verschiedenen Sozialversicherungszweigen freiwillig versichern möchte. Beispielsweise kann er sich unter bestimmten Voraussetzungen in der Arbeitslosenversicherung freiwillig versichern. Das ist eine zusätzliche Absicherung, wenn das Kleingewerbe wieder aufgegeben werden muss.

Es kommt auch in Betracht, sich in der gesetzlichen Unfallversicherung selbst als Unternehmer freiwillig versichern zu lassen. Aufgrund der relativ niedrigen Beiträge ist eine solche Wahl empfehlenswert. Auch Kleingewerbetreibende müssen sich krankenversichern. Waren sie vorher schon Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung, kann die entsprechende Versicherung fortgesetzt werden, oder aber es kommt eine private Krankenversicherung in Betracht.

Selbstständige sollten ebenfalls überlegen, ob sie sich freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung versichern lassen, wenn sie ein Kleingewerbe gründen.

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