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8 Punkte zur nebenberuflichen Selbstständigkeit

Aktualisiert am 27. Juni 2019
Das Wichtigste in Kürze

● Nebenberufliche Selbstständigkeit als zusätzliches Einkommen bei einer hauptberuflichen Tätigkeit
● Ausgezeichnete Gelegenheit, Ideen, Produkte und Dienstleistungen am Markt zu testen
● Nebenberuflich Erfahrung sammeln, um später hauptberuflich als Gründer durchzustarten

Die nächsten Schritte

● Abklärung der nebenberuflichen Tätigkeit mit dem Arbeitgeber
● Anmeldung der nebenberuflichen Tätigkeit, ggf. Einholen von Genehmigungen
● Anmeldung beim Finanzamt
● Wahl einer geeigneten Rechtsform
● Regelung von Arbeitszeiten und Krankenversicherung

1 Was gilt als nebenberufliche Selbstständigkeit?

In Deutschland steht es jedem Angestellten frei, sich nebenberuflich zu betätigen – sei es, um seine Ideen zu verwirklichen oder einfach das Einkommen aufzubessern. Doch dies bedeutet nicht, dass der Hauptjob vernachlässigt werden darf. Im Gegenteil: Wer seinen Pflichten als Arbeitnehmer nicht nachkommt oder Krankheitstage dazu nutzt, im Nebenjob aktiv zu werden, muss mit Konsequenzen rechnen. Auch darf man als Angestellter mit seiner Nebentätigkeit keinesfalls in Konkurrenz mit dem Arbeitgeber treten.

Im Großen und Ganzen haben nebenberuflich Selbstständige dieselben Pflichten wie Existenzgründer: Das Gewerbe muss angemeldet und Genehmigungen eingeholt werden, empfehlenswert ist zudem das Erstellen eines Geschäftsplans. Ein selbstständiger Nebenjob wird oft als eine Testphase für den weiteren Verlauf der Selbstständigkeit angesehen: Hakt es bereits bei der Gründung, muss entweder eine neue Strategie her, oder die Nebentätigkeit will von Grund auf überdacht werden. Deshalb ist es wichtig, verantwortungsvoll und zielorientiert an die Aufgabe heranzugehen. Zu den Kriterien, die eine selbstständige Tätigkeit auszeichnen, gehört eine wöchentliche Arbeitszeit von nicht mehr als 18 Stunden. Außerdem dürfen die Einnahmen aus der Selbstständigkeit das feste Gehalt aus dem Angestelltenverhältnis nicht übersteigen.

2 Die Anmeldung beim Finanzamt

Zwar darf sich jeder Arbeitnehmer nebenberuflich selbstständig machen, doch muss die Tätigkeit beim Gewerbeamt gemeldet werden. Für eine Gebühr leitet das Gewerbeamt die Gewerbeanmeldung an das Finanzamt weiter. Wer nebenberuflich als Freiberufler tätig ist, kann sich direkt an das Finanzamt wenden. Selbstständige profitieren zudem von der Kleinunternehmerregelung: Wer pro Jahr weniger als 17.500 Euro erwirtschaftet, muss keine Umsatzsteuer zahlen. Die Kleinunternehmerregelung bringt erhebliche Vorteile mit sich, da dadurch ein großer Teil der Verwaltungsarbeit wegfällt.

Wer lediglich nebenberuflich selbstständig ist und weiterhin in einem festen Arbeitsverhältnis steht, muss in der Regel keine zusätzlichen Sozialversicherungs- oder Krankenversicherungskosten tragen. Da die Sozialversicherungspflicht  im Hauptjob besteht, werden die Gebühren bereits über das feste Einkommen  bezahlt. Auch in puncto Krankenversicherung ändert sich für nebenberuflich Selbstständige in den meisten Fällen nichts. Dennoch ist es eine gute Idee, bei der Krankenkasse nachzufragen, um eventuelle Veränderungen auszuschließen.

3 Abklärung der nebenberuflichen Tätigkeit mit dem Arbeitgeber

Generell ist das Anzeigen einer nebenberuflichen Tätigkeit – solange dies nicht explizit im Arbeitsvertrag vermerkt ist bzw. eine firmeninterne Genehmigungspflicht existiert – nicht zwingend notwendig. Hier gilt wie in vielen anderen Fällen auch, es kommt ganz auf die Situation an.

Hinweis

Eine allgemeine oder generelle Anzeigepflicht für Nebentätigkeiten beim Arbeitgeber gibt es nicht, allerdings empfiehlt sich die angedachte Nebentätigkeit mit dem Arbeitgeber vorab abzusprechen und sich auch eine schriftliche Vereinbarung aushändigen zu lassen.

Alle Probleme, die eine Aufnahme der beruflichen Nebentätigkeit von Seiten des Arbeitgebers erschweren bzw. unmöglich machen, beruhen auf unzureichender Trennung beider Tätigkeiten: Konkurrenztätigkeiten, zu wenig gesetzlich vorgeschriebene Erholungszeit zwischen den Tätigkeiten und die zeitliche Überschneidung – auch wenn nur mal eben Telefonate geführt oder Mails beantwortet werden. Auch das Ausüben der nebenberuflichen Arbeitszeit in der Urlaubszeit des hauptberuflichen Arbeitsverhältnisses sollte durch eine klare Trennung vermieden werden.

4 Steuern und Versicherungen

Wer sich selbstständig macht, muss sich intensiv mit dem Thema Steuern und Versicherungen auseinandersetzen. Selbst wer im Rahmen der Kleinunternehmerregelung keine Umsatzsteuer zahlt, muss dennoch eine Einkommensteuer zahlen. Dafür genügt es, eine Einnahme-Überschuss-Rechnung aufzustellen und diese beim Finanzamt einzureichen. Wer als nebenberuflicher Gründer erfolgreich ist und mit jedem Jahr steigende Gewinne verzeichnen kann, wird über kurz oder lang auch die Umsatz- sowie die Gewerbesteuer entrichten müssen. Erstere gilt ab einem Jahresertrag von 17.500 Euro, Letztere wird ab einem Gewinn von 24.500 Euro erhoben. Da Freiberufler von der Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt ausgenommen sind, müssen sie auch keine Gewerbesteuer entrichten.

5 Welche Rechtsform sollte gewählt werden?

Wer sich nebenberuflich selbstständig macht, hat dieselben Ansprüche auf die Wahl der Rechtsform wie hauptberufliche Existenzgründer. Jedoch lassen sich die meisten Gründer als Einzelunternehmer oder als GbR eintragen, denn beide Rechtsformen weder das Vorhandensein von Stammkapital noch einen Notarbesuch erforderlich machen. Allerdings haftet der Gründer als Einzelunternehmer oder als Mitglied einer GbR mit seinem eigenen Vermögen.

6 Wie viel darf ein nebenberuflich Selbstständiger hinzuverdienen?

Wer bereits in einem festen Arbeitsverhältnis steht und sich darüber hinaus nebenberuflich selbstständigmacht, sollte darauf achten, dass der Nebenerwerb den Verdienst im Hauptjob nicht übersteigt. Außerdem ist es wichtig, die Einkommensgrenze für die verschiedenen Steuerkategorien zu kennen und der Situation entsprechend zu handeln. Auch bei der Arbeitszeit, die auf die nebenberufliche Tätigkeit entfällt, sind  bestimmte Grenzen zu beachten. Die Nebentätigkeit sollt nicht mehr als 18 Stunden pro Woche in Anspruch nehmen, da ansonsten  eine zusätzliche Krankenversicherung erforderlich ist.

7 Was hat es mit der Scheinselbstständigkeit auf sich?

Aller Anfang ist schwer – das gilt vor allem für Gründer. Wer am Anfang seiner nebenberuflichen Selbstständigkeit steht, kann aus rechtlicher Sicht schnell als scheinselbstständig eingestuft werden. Das passiert vor allem dann, wenn zunächst nur für einen einzigen Auftraggeber gearbeitet wird. Auch wer nicht aktiv um neue Kunden wirbt oder über keine eigenen Arbeitsräume verfügt, kann schnell ins Fadenkreuz der Behörden geraten. Die Konsequenzen sind unangenehm, denn wer als scheinselbständig angesehen wird, muss Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen.

8 Vor- und Nachteile der nebenberuflichen Selbstständigkeit

Die meisten Arbeitnehmer träumen davon, ihr eigener Chef zu sein und sich zudem in ihrer Arbeit selbst verwirklichen zu können. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn als Gründer ist man bald vor bestimmte Herausforderungen gestellt. Deshalb bietet die nebenberufliche Selbstständigkeit eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich in kleinen Schritten an die Verwirklichung der eigenen Idee heranzuwagen. Wenn die Gründung im Nebenjob verläuft, ist diese Tätigkeit mit einem relativ geringen finanziellen Risiko verbunden. Außerdem besteht stets die Möglichkeit, im Laufe der zeit hauptberuflich selbstständig zu werden. Dank der Nebentätigkeit lassen sich zusätzliche Einnahmen erzielen und lang gehegte Träume verwirklichen, doch es gibt auch Schattenseiten. Vielen nebenberuflich Selbstständigen fällt es schwer, Haupt- und Nebenjob klar zu trennen. Auch sollte der Zeitaufwand nicht unterschätzt werden, denn wer nebenberuflich selbstständig ist, kann nach Feierabend nicht oder nur selten entspannen, seinen Hobbys nachgehen oder sich mit Freunden treffen. Auf jeden Fall ist die nebenberufliche Selbstständigkeit ein ausgezeichnetes Sprungbrett für die spätere vollerwerbliche Existenzgründung.

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