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Unternehmensfinanzierung – Die passende Finanzierung für das Unternehmen finden

Aktualisiert am 23. Mai 2019
Das Wichtigste in Kürze

● Das klassische Bankdarlehen ist nicht immer die beste Lösung
● Alternative Formen der Unternehmensfinanzierung stehen für unterschiedliche Bedürfnisse zur Verfügung
● Crowdfunding bietet als moderne Art der Unternehmensfinanzierung die am breitesten gefächerten Möglichkeiten
● Eine Finanzierung kann unter bestimmten Umständen auch über Lieferanten oder Leasingunternehmen realisiert werden

Von diesen Fragen hängt die Wahl der passenden Unternehmensfinanzierung ab

● Wofür wird der Kredit benötigt?
● Handelt es sich um einen kurzfristigen oder einen langfristigen Kredit?
● Welche Sicherheiten kann ein Unternehmen bieten?
● Wie hoch ist die Eigenkapitalquote?
● Wie hoch ist das Wachstumspotenzial eines Unternehmens?

Warum eine passende Finanzierung wichtig ist

Das Thema Unternehmensfinanzierung stellt einen entscheidenden Teil der strategischen Unternehmensplanung und -entwicklung dar. Die Finanzierung fungiert dabei als ein wesentlicher Faktor für den geschäftlichen Erfolg. Denn sie ist zum einen dafür verantwortlich, dass Investitions- und Expansionsmöglichkeiten wahrgenommen werden können. Zum anderen sorgt sie für die erforderliche Liquidität. Vor allem letztere ist wichtig, damit Unternehmen auf die Herausforderungen der Digitalisierung und des globalen Wettbewerbs reagieren können.

Neben einer soliden Eigenkapitalausstattung sind hier sinnvolle Finanzierungskonzepte gefragt. Diese müssen nicht nur kurzfristig helfen, sondern detailliert konzeptionieren, wie der Kapitalbedarf eines Unternehmens langfristig gedeckt wird. Jedes Unternehmen weist dabei andere Voraussetzungen, Gegebenheiten, Chancen und auch Risiken auf. Daher müssen – für jede Phase einer organischen Unternehmensentwicklung – jeweils maßgeschneiderte Finanzierungskonzepte entwickelt werden.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Im Gegensatz zu früheren Zeiten können Sie im Hinblick auf die Unternehmensfinanzierung heute auf zahlreiche weitere Möglichkeiten zurückgreifen. Die klassische Finanzierung durch einen Kredit der eigenen Hausbank ist dabei längst nicht mehr immer die beste Lösung. Der Markt bietet inzwischen innovative Finanzierungskonzepte und -instrumente, die sich individuell und flexibel auf unterschiedliche Situationen und Bedürfnisse ausrichten lassen. Dadurch sind Unternehmen in der Lage, Wachstum zu finanzieren, in Technologien zu investieren oder auch das Eigenkapital zu erhöhen.

Das klassische Bankdarlehen: Die traditionelle Form der Unternehmensfinanzierung

Der Bankkredit ist die traditionellste Form der Unternehmensfinanzierung für kleine und mittelständische Unternehmen. Ein Großteil des Finanzierungsbedarfs in Deutschland wird immer noch auf diese Art und Weise gedeckt. Empfehlenswert ist diese Finanzierungsform immer dann, wenn langfristige Investitionen geplant sind oder wenn ein Anspruch auf zusätzliche Fördermittel besteht.

Hinweis

Empfehlenswert ist das Bankdarlehen immer dann, wenn langfristige Investitionen geplant sind oder wenn ein Anspruch auf zusätzliche Fördermittel besteht

Allerdings müssen Sie bei einem Bankdarlehen immer mit vergleichsweise hohen Finanzierungskosten rechnen. Zudem fordern die Banken seit Basel III einen detaillierten Nachweis von Sicherheiten und Liquidität. Dafür aber ist bei Kreditbewilligung jederzeit eine individuelle Finanzierungsanpassung möglich. Zudem lassen sich mit der Hausbank – bei einer bereits lange bestehenden Kundenbeziehung – kurzfristige Engpässe bei der Rückzahlung häufig besser managen und unbürokratisch regeln.

Factoring: Finanzierungsform bei kurzfristigen Liquiditätsengpässen

Unternehmen können Forderungen aus Leistungen an ein Factoringunternehmen verkaufen. Diese macht die Forderung dann gegenüber dem Schuldner geltend. Das Unternehmen erhält bei Verkauf sofort 80 Prozent und nach Zahlung des Schuldners die restlichen 20 Prozent der Rechnungssumme. Hierfür berechnet das Factoringunternehmen hohe Gebühren und Zinsen. 

Hinweis

Factoring steht für die Realisierung einer schnellen Liquidität. Geeignet ist es vor allem dann, wenn ein Unternehmen über viele gewerbliche Debitoren verfügt

Die Vorteile dieser Finanzierungsform liegen auf der Hand. Durch das schnelle Realisieren von Liquidität ist eine bessere Finanzplanung möglich. Zudem entlastet das Unternehmen das eigene Debitorenmanagement, was Zeitressourcen und Arbeitskraft freisetzt. Außerdem wird via Factoring – als Nebeneffekt – die Eigenkapitalquote erhöht. Allerdings sollten Unternehmer und Selbstständige bei der Unternehmensfinanzierung durch Factoring bedenken, dass die Debitoren in der Regel nicht von dem Forderungsverkauf erfreut sind. Das kann zukünftige Geschäftsvorhaben negativ beeinflussen.

Leasing: Kauf von Investitionsobjekten trotz Liquiditätsproblemen

Auch das Leasing ist eine Möglichkeit der Unternehmensfinanzierung. Unternehmen setzen diese Lösung in erster Linie bei der Finanzierung von Maschinen, Anlagen oder sonstigen mobilen Gütern ein. Diese Art der Unternehmensfinanzierung lässt sich immer dann alternativ einsetzen, wenn für den Kauf eines Investitionsobjektes nicht genügend liquide Mittel zur Verfügung stehen. Das Unternehmen kann dann mit monatlich fixen Kosten planen.

Hinweis

Leasing kommt vermehrt bei der Finanzierung von Maschinen, Anlagen oder sonstigen mobilen Gütern infrage

Ein weiterer Vorteil: Leasing gilt als Betriebsausgabe und ist daher steuerlich voll absetzbar. Aber eine Entscheidung für das Leasing weist auch Nachteile auf. Denn ein Bankkredit bzw. ein fremdfinanzierter Kauf ist von den Raten her günstiger als Leasing. Das bedeutet, dass sich die monatlichen Fixkosten erhöhen. Außerdem muss das Unternehmen eine langfristige Bindung an die jeweilige Leasinggesellschaft in Kauf nehmen.

Lieferantenkredit: Kreditwürdigkeit spielt häufig keine dominante Rolle

Für die Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsengpässe kann auch ein Lieferantenkredit genutzt werden. Dabei wird dem Unternehmen eine längere Zahlungsfrist gewährt. Diese beträgt häufig maximal 90 Tage. Während dieser Zeit bleibt der Eigentumsvorbehalt bestehen. In der Regel sind für einen Lieferkredit nur wenig Formalitäten nötig. Zudem wird häufig auf eine Überprüfung der Kreditwürdigkeit verzichtet.

Hinweis

Lieferantenkredite birgen die Gefahr der Abhängigkeit

Positiver Nebeneffekt dabei: das Unternehmen belastet nicht die Bankkreditlinie. Die Entscheidung muss aber gut überlegt sein, denn in den meisten Fällen wird bei einem Lieferantenkredit ein vergleichsweise hoher Effektivzins fällig (kein Skonti). Was aber noch schwerer wiegt, ist das dadurch entstehende Abhängigkeitsverhältnis. Eine Geschäftsbeziehung auf Augenhöhe gibt es nicht mehr. Für Folgegeschäfte kann das negative Konsequenzen nach sich ziehen.

Crowdfunding: Die moderne Art der Unternehmensfinanzierung

Hierbei handelt es sich um die Unternehmensfinanzierung durch eine ganze Personengruppe. In Deutschland wird auch gerne von der „Schwarmfinanzierung“ gesprochen. Unterschieden werden müssen hier drei Modelle:

1. Reward-based Crowdfunding: Der Geldgeber erhält für seine Investition eine Sachprämie oder eine Sache mit ideellem Wert.

2. Crowdinvesting: Investoren investieren in ein Unternehmen. Diese Form wird gerne für die Risikokapital-Finanzierung von Startups genutzt.

3. Crowdlending: ein Unternehmen erhält von der Anleger-Crowd einen Kredit.

Die Vorteile für Unternehmen auf einen Blick

  • Geben die Banken oder zum Beispiel Business Angels kein Geld, können sich Unternehmen über diesen Weg Kapital beschaffen.
  • Es werden weniger und manchmal sogar überhaupt keine Sicherheiten benötigt. Das sieht bei einem Bankkredit ganz anders aus.
  • Seit 2015 entfällt die so bezeichnete Prospektpflicht, sofern die Gesamtinvestitionssumme nicht 2,5 Millionen Euro überschreitet.
  • Der Zuspruch kann als Gradmesser des geschäftlichen Vorhabens genutzt werden.
  • Die Investoren unterstützen die virale Verbreitung alleine schon aus Eigeninteresse.

Die Nachteile für Unternehmen auf einen Blick

  • Vertragsformen sind in der Regel standardisiert. Eine individuelle Vertragsgestaltung lässt sich daher nur schwer umsetzen.
  • Das Unternehmen muss nicht nur Zinsen und Rückzahlungen gewährleisten, sondern mit der Crowd kommunizieren und entsprechende Berichte erstellen.
  • Das Risiko von Rechtsstreitigkeiten steigt, da sich in der Crowd viele unterschiedliche Charaktere mit individuellen Interessen befinden.
  • Eine Crowd bringt einem Unternehmen nur eingeschränkt Synergieeffekte. Ein einzelner Investor hilft dagegen auch durch andere Beteiligungen und Kontakte.
Hinweis

Crowdfunding ist eine moderne Finazierungsart und kann neben den genannten Vorteilen  auch weiteren Aufwand mit sich bringen, der mitunter viel Zeit kosten kann

Mezzanine: Geeignet für Unternehmen mit einem hohen Wachstumspotenzial

Kann sich ein Unternehmen kein oder nur eingeschränkt Fremdkapital beschaffen, kommt Mezzanine als Unternehmensfinanzierung in Betracht. Dabei wird die Eigenkapitelquote mittels stillen Beteiligungen, Genussscheinen oder Wandelanleihen erhöht. Voraussetzung für diese Art der Unternehmensfinanzierung sind eine gute Eigenkapitalrendite sowie ein hohes Wachstumspotenzial. Finanzierungen können mit Mezzanine individuell gestaltet werden. Zudem kommt es lediglich zu einer geringen Kapitalverwässerung.

Hinweis

Mezzanine-Darlehen bringen gegebenenfalls höhere Finanzierungskosten mit sich

Einfluss auf die Geschäftspolitik können Mezzanine-Geber nicht nehmen, da sie kein Stimmrecht besitzen. Wer sich für diese Art der Unternehmensfinanzierung entscheidet, muss allerdings im Vergleich zur Aufnahme von Fremdkapital mit höheren Finanzierungskosten rechnen. Zudem sollte immer berücksichtigt werden, dass das Eigenkapital immer nur zeitlich befristet zur Verfügung steht. Außerdem muss ein Mindestvolumina eingehalten werden.

Kapitalbeteiligungen: Für den Fall, dass Sicherheiten fehlen

Bietet ein Unternehmen gute Wachstumschancen, kann auch eine Kapitalbeteiligung (Private Equity) in Betracht gezogen werden. Hierbei erhält ein Unternehmen frische Geldmittel, muss dafür den Kapitalgeber aber am zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg beteiligen. Diese Art der Unternehmensfinanzierung wird gerne gewählt, wenn die Hausbank oder auch andere Kreditinstitutionen – aufgrund fehlender Sicherheiten – kein Risikokapital bereitstellen. Aber Vorsicht. Auf den ersten Blick profitieren Sie zwar von einer solchen Finanzierung. Denn die einzelnen Investitionsmodelle können flexibel gestaltet werden.

Hinweis

Bei Kapitalbeteiligungen haben Investoren Mitspracherecht

Möglich sind zum Beispiel variable Laufzeiten bis zu 15 Jahren. Bei entsprechendem Wachstumspotenzial erzielt ein Unternehmen mit dem erhaltenen Geld außerordentlich hohe Renditen. Es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille. Zum einen verschlingt die Suche nach einem geeigneten und vor allem willigen Kapitalgeber viel Zeit. Eine kurzfristige Betriebsmittelfinanzierung ist daher nahezu ausgeschlossen. Der entscheidende Nachteil liegt in dem neuen Mitspracherecht des Investoren. Unstimmigkeiten können nämlich durchaus geschäftliche Turbulenzen hervorrufen und den geschäftlichen bzw. wirtschaftlichen Erfolg gefährden.

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