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Unternehmenssteuern – alle relevanten Steuern für Unternehmen in der Übersicht

Aktualisiert am 28. August 2019
Das Wichtigste in Kürze

● Gewerbetreibende und Freiberufler unterliegen grundsätzlich der Steuerpflicht
● Die Steuern für Unternehmen, die gezahlt werden müssen, richten sich unter anderem nach der Rechtsform der Firma
● Wichtige Steuern für Unternehmen  sind Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer.
● Ein Steuerberater leistet für die Erstellung inhaltlich und formal korrekter Steuererklärungen professionelle Unterstützung. Durch sein Expertenwissen hilft er dabei, die steuerliche Belastung des Unternehmens zu reduzieren

Die nächsten Schritte

● Bei Gründung: Anmeldung des neu gegründeten oder zu gründenden Unternehmens beim Finanzamt   
● Übermittlung von steuerrelevanten Unternehmensdaten und für das erste Jahr nach der Gründung einer Gewinnschätzung an das Finanzamt
● Gegebenenfalls Beantragung der Befreiung von der Umsatzsteuerzahlung und der Umsatzsteuervoranmeldung aufgrund der Kleinunternehmerregelung
● Erstellen fachgerechter Steuererklärungen zu den vorgeschriebenen Fristen – die Zusammenarbeit mit einem professionellen und erfahrenen Steuerberater erleichtert diese Aufgaben

Allgemeine Steuerarten für Unternehmen

Was sind Steuern? Steuern sind Geldleistungen, die von natürlichen und juristischen Personen zu erbringen sind. Sie tragen den Charakter einer Zwangsabgabe, die durch das öffentlich-rechtliche Gemeinwesen erhoben wird, dessen Haupteinkommensquelle sie in der Regel sind. In Deutschland erheben der Bund, die Länder sowie die Kommunen Steuern. Die Verpflichtung, eine bestimmte Steuerart an das Finanzamt abzuführen, wird für Privatpersonen und Unternehmen durch die Steuergesetzgebung geregelt. Dabei spielen nicht nur die erzielten Einnahmen, sondern auch andere Gegebenheiten – beispielsweise Grunderwerb oder Grundbesitz – eine Rolle. 

Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit verbinden viele Gründer die Erwartung größerer Unabhängigkeit und unternehmerischer Freiheit. Allerdings entstehen Unternehmern damit auch neue Pflichten, zu denen unter anderem ein korrekter Umgang mit der Steuer und die vorgeschriebenen Meldungen an das Finanzamt zählen. Für Unternehmen sind verschiedene Steuerarten relevant, die sich in drei große Gruppen unterteilen lassen:

Ertragssteuern fallen für den finanziellen Zugewinn der Firma in einem festgelegten Zeitraum an. Als Besteuerungsgrundlage dient der Gesamtwert aller in diesem Zeitraum hinzugekommenen finanziellen Gewinne oder Güter. Die wichtigsten Ertragssteuern sind die Einkommensteuer, die Gewerbesteuer und die Körperschaftssteuer.

Verbrauchssteuern sind sogenannte indirekte Steuern, mit denen beispielsweise Luxusgüter, Strom oder Genussmittel besteuert werden. Für Unternehmen relevante Verbrauchssteuern sind beispielsweise die Umsatzsteuer sowie die Grunderwerbsteuer. Für Produkte, die einer Verbrauchssteuer unterliegen, wird die Umsatzsteuer auf den Gesamtpreis inklusive der integrierten Steuern erhoben und somit die gesamte Steuerlast dieses Produktes auf den Endabnehmer übertragen.

Substanzsteuer bezieht sich auf die Möglichkeit, eine bestimmte Tätigkeit auszuüben oder auf einen vorhandenen Vermögensstamm. Beispiele für eine Substanzsteuer sind die Gewerbesteuer sowie die Grundsteuer, die Unternehmen zahlen müssen, die über eigenen Grundbesitz verfügen. 

Die Steuern für Unternehmen, die für Gründer besonders relevant sind, werden im Folgenden ausführlicher beschrieben. Nach der Anmeldung beim Gewerbeamt oder – für Freiberufler – direkt beim Finanzamt erhalten angehende Unternehmer einen umfangreichen Fragebogen des Finanzamts. Abgefragt werden darin neben persönlichen Angaben und allgemeinen Unternehmensdaten insbesondere eine Gewinneinschätzung sowie weitere Einkommensarten. Im ersten Jahr nach der Gründung werden die Steuern für Unternehmen auf der Grundlage dieser Einschätzung berechnet.

Hinweis

Die steuerliche Belastung kann gerade bei Neugründungen die Ertragslage des Unternehmens stark belasten. Empfehlenswert ist daher, von vornherein Rücklagen zu bilden, um diese Belastung abzufangen. 

Einkommensteuer

Einkommensteuer müssen alle natürlichen Personen zahlen, die ein Einkommen aus selbstständiger oder nicht selbstständiger Tätigkeit beziehen. Auch Erträge aus Kapitalanlagen, Miet- und Pachteinnahmen sowie die Einnahmen aus einem Gewerbebetrieb unterliegen der Einkommensteuerpflicht. Grundlage der Berechnung dieser Steuer ist das steuerpflichtige Einkommen, das eine natürliche Person erzielt. Um es zu ermitteln, werden vom Bruttoeinkommen Freibeträge und bestimmte Aufwendungen wie zum Beispiel Sonderausgaben abgezogen. Freiberufler und Gewerbetreibende sind dazu verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben.

Umsatzsteuer  

Umsatzsteuer bzw. Mehrwertsteuer schlagen Unternehmen auf den Nettopreis ihrer Produkte oder Dienstleistungen auf. Sie gilt nicht als Einnahme der Firma, sondern ist eine Verbrauchssteuer, die der Endabnehmer dieser Leistungen zu tragen hat. Im Rahmen von Umsatzsteuererklärungen sowie der Umsatzsteuervoranmeldung wird sie durch das Unternehmen an das Finanzamt abgeführt. Berechnet wird die Umsatzsteuer anhand des Nettopreises einer Leistung und der gesetzlich definierten Umsatzsteuersätze. Der Regelsteuersatz der Umsatzsteuer liegt in Deutschland derzeit bei 19 Prozent, einige Produkte wie beispielsweise Lebensmittel oder Verlagserzeugnisse werden mit einem reduzierten Satz von derzeit 7 Prozent besteuert. Selbst gezahlte Umsatzsteuer für Produkte, die der Unternehmenstätigkeit dienen, können Firmen von den Umsatzsteuern, die sie an das Finanzamt übermitteln, abziehen. Sie zahlen folglich nur die Umsatzsteuer, die sie von ihren eigenen Kunden erhalten haben.

Die Zahlung der Umsatzsteuer ist an feste Zeiträume gebunden. Normalerweise müssen Unternehmen vier Mal jährlich eine entsprechende Steuererklärung erstellen. Firmen, die nur geringe Umsätze erzielen, können die sogenannte Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Sie müssen dann keine Umsatzsteuer zahlen und sind gegenüber dem Finanzamt folglich auch nicht zu einer monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung verpflichtet. Die aktuellen Umsatzgrenzen für die Kleinunternehmerregelung liegen bei maximal 17.500 Euro im vorhergehenden Kalenderjahr und voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro im aktuellen Jahr. In Anspruch nehmen können sie Einzelunternehmer, Freiberufler sowie die Gesellschafter einer GbR. Die Befreiung von der Umsatzsteuer muss beim Finanzamt formlos beantragt werden.

Relevant für die Umsatzsteuererklärung und die interne Buchhaltung ist außerdem die sogenannte Soll-Ist-Versteuerung. Bei einer Soll-Versteuerung wird die Steuer bereits zum Zeitpunkt der Rechnungstellung fällig, bei einer Ist-Versteuerung ist dafür der Zahlungseingang ausschlaggebend. Eine Ist-Versteuerung ist für das Unternehmen in der Regel günstiger, muss durch das Finanzamt jedoch genehmigt werden. Von Unternehmen, die einen Jahresabschluss bzw. einen Bilanz erstellen müssen, fordert der Fiskus in der Regel eine Soll-Versteuerung. Für Unternehmen, die lediglich zur Erstellung einer Einnahmen-Überschussrechnung verpflichtet sind, spielt die Soll-Ist-Versteuerung grundsätzlich keine Rolle.

Gewerbesteuer

Der Gewerbesteuerpflicht unterliegt jeder Gewerbebetrieb in Deutschland. Sie wird von den Gemeinden erhoben. Gewerbetreibende sind verpflichtet, ihr Gewerbe und ihre Unternehmensgründung beim Gewerbeamt an ihrem Wohnort anzumelden. Das Gewerbeamt informiert das Finanzamt über die Gründung. Die Berechnungsgrundlage für die Gewerbesteuer sind die Gewinne bzw. Gewerbeerträge des Unternehmens. Für die konkrete Berechnung spielen verschiedene Faktoren, beispielsweise der Zinsanteil von Mieten, Pachten oder Leasing-Zahlungen sowie die sogenannten Hebesätze der einzelnen Gemeinden eine Rolle. Mehr Informationen zur Gewerbesteuer.

Körperschaftssteuer

Körperschaftssteuer zahlen inländische juristische Personen – also beispielsweise Unternehmen die sich für die Rechtsform einer GmbH oder einer Kapitalgesellschaft entschiedenen haben. Die Bemessungsgrundlage ist das zu versteuernde Einkommen des Unternehmens. Ermittelt wird es durch die Angaben im Jahresabschluss, zu dessen Erstellung Unternehmen verpflichtet sind, die der Körperschaftssteuer unterliegen. Der Körperschaftssteuersatz in Deutschland beträgt einheitlich 15 Prozent.

Grunderwerbsteuer

Grunderwerbsteuer wird erhoben sobald ein Unternehmen ein inländisches Grundstück erwirbt. Ausgenommen hiervon sind die Erwerbe von Grundstücken bis zu einem Freibetrag von 2.500 Euro. Alles daürber hinaus wird zum vollen Betrag versteuert. Die Höhe der zu enrichtenden Grunderwerbsteuer ergibt sich aus dem Kaufpreis des Grundstücks. In Deutschland haben die Bundesländer das Recht, die Höhe des Steuersatzes für die Grunderwerbsteuer individuell zu bestimmen.

Die Höhe der Grunderwerbsteuer nach Bundesland in Deutschland – Stand 2019*

Baden-Württemberg5,0%
Bayern3,5%
Berlin6,0%
Brandenburg6,5%
Bremen5,0%
Hamburg4,5%
Hessen6,0%
Mecklenburg-Vorpommern5,0%
Niedersachsen5,0%
Nordrhein-Westfalen6,5%
Rheinland-Pfalz5,0%
Saarland6,5%
Sachsen3,5%
Sachsen-Anhalt5,0%
Schleswig-Holstein6,5%
Thüringen6,5%

Lohnsteuer

Zu den Steuern für Unternehmen gehört auch die Lohnsteuer. Zwar wird sie Arbeitnehmern direkt von ihrem Bruttogehalt abgezogen, verantwortlich für die Abfuhr der Lohnsteuer ist jedoch der Arbeitgeber. Für den Vormonat ist sie von Unternehmen, die Mitarbeiter beschäftigen, bis zum 10. des Folgemonats an das Finanzamt zu überweisen. Außerdem müssen Firmen im Hinblick auf die Lohnsteuer weitere Pflichten erfüllen, zu denen beispielsweise die Lohnsteuerberechnung, das Führen von Lohnsteuerkonten und die Ausstellung von Lohnsteuerbescheinigungen zählen.

Unternehmenssteuersätze im Vergleich – Unterschiede von Bundesland zu Bundesland und auch im internationalen Vergleich

Bei der Wahl des Unternehmensstandortes lohnt sich – je nach Geschäftsmodell – immer auch mal ein Blick in das nächstgelegene Bundesland oder mitunter auch in das europäische Ausland. Mit rund 30% Steuerlast für Unternehmen liegt Deutschland weit über dem EU-Durchschnitt, der sich im Bereich um die 20% befindet. Länder wie Frankreich oder Italien weisen dabei eine höhere steuerliche Belastung für Unternehmen auf, EU-Staaten wie beispielsweise Spanien, Dänemark, Polen oder auch Irland liegen dagegen darunter. Der Vergleich macht für lokale Unternehmen mit regionaler Ausrichtung weniger Sinn, für Geschäftsmodelle mit einer internationalen Ausrichtung kann ein Standort im internationalen Umfeld aber durchaus eine lohnenswerte Alternative darstellen.

Geschäftsvorgänge richtig dokumentieren

Um alle steuerlichen Vorgänge zu dokumentieren ist es für jedes Unternehmen unabdingbar sorgfältig Buch zu führen. Die geschäftlichen Vorgänge müssen zehn Jahre lang aufbewahrt werden. Heute sind Ordner weniger geeignet, vielmehr ist zu empfehlen eine geeignete Buchführungssoftware zu verwenden. Wer richtig Buch führt, kann im Zweifelsfall Einspruch einlegen und die nötigen Beweise vorbringen, wenn im Steuerbescheid Fehler auftreten. Auch im Fall einer Betriebsprüfung durch das Finanzamt ist man auf diese Weise abgesichert.

Einzelunternehmer können ihre Buchführung auch selbst übernehmen. Wo Kapitalgesellschaften zur doppelten Buchführung verpflichtet sind, können sich Einzelunternehmer auch für die einfache Buchhaltung entscheiden. Freiberufler sowie Gewerbetreibende mit einem Jahresumsatz von maximal 60.000 Euro dürfen die einfache Buchhaltung anwenden. Bei der doppelten Buchführung muss am Jahresende eine Bilanz erstellt werden, bei der einfachen Buchführung hingegen wird eine Einnahmenüberschussrechnung erstellt. Für die korrekte Dokumentaion bzw. Einreichung der Steuerunterlagen empfiehlt sich einen Buchhalter oder geeigneten Steuerberater hinzuzuziehen.


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